Sony 400mm f/2.8 vs. Canon 400mm f/2.8 – Mein Extremtest in der Wüste Namibias

Wenn man sich mit Wildlife-Fotografie beschäftigt, gibt es kaum eine Linse, die mehr Begehrlichkeiten weckt als ein 400mm f/2.8. Lichtstark, gestochen scharf und perfekt, um auch bei Dämmerung noch brillante Aufnahmen zu machen. Die Kehrseite? Diese Objektive gehören zu den teuersten ihrer Klasse – Preis pro Stück: rund 12.000 €.

Für meinen Extremtest bin ich einen Schritt weitergegangen: 2 Wochen in der Wüste Namibias, im Gepäck sowohl das Canon EF 400mm f/2.8L IS III USM als auch das Sony FE 400mm f/2.8 GM OSS. Zwei absolute Flaggschiffe – aber welches ist das bessere Werkzeug für Wildlife- und Action-Shoots?

Testbedingungen: Namibia – ein Paradies für Wildlife-Fotografie

Die Wüste Namibias bietet extreme Bedingungen für einen solchen Test:

  • Temperaturen jenseits der 35 Grad

  • Feiner Wüstenstaub, der jede Ausrüstung herausfordert

  • Schnell wechselnde Lichtsituationen – von gleißendem Sonnenlicht bis zu dramatischen Sonnenuntergängen

  • Wildlife-Motive, bei denen jede Sekunde zählt

Genau diese Herausforderungen zeigen, wie gut oder schlecht ein System wirklich performt.

Technische Daten im Vergleich

Feature

Canon 400mm f/2.8L IS III USM

Sony 400mm f/2.8 GM OSS

Gewicht

ca. 2.840 g

ca. 2.895 g

Naheinstellgrenze

2,5 m

2,7 m

Bildstabilisierung

5 Stufen

ca. 5,5 Stufen

Autofokus

Dual Nano USM

XD Linear Motor

Preis (UVP)

~ 12.000 €

~ 12.000 €

Bajonett

EF (Adapter nötig an R-Serie)

E-Mount

Auf dem Papier nehmen sich die beiden also kaum etwas. Der Unterschied wird in der Praxis sichtbar – und spürbar.

Autofokus und Geschwindigkeit

Beide Objektive liefern brachial schnelle Fokussierung, aber es gibt Nuancen:

  • Sony punktet mit seinem XD Linear Motor, der besonders bei schnellen Bewegungen (z. B. jagende Geparden) extrem präzise nachführt.

  • Canon überzeugt mit einer etwas weicheren, fast organisch wirkenden Fokusbewegung, die vor allem bei Videoaufnahmen geschmeidiger aussieht.

Gerade im Wildlife-Bereich zählt jede Millisekunde – und hier hatte ich das Gefühl, dass Sony bei extrem schnellen Tieren minimal im Vorteil war.

Bildqualität und Bokeh

Beide liefern knackscharfe Ergebnisse – egal ob bei f/2.8 oder abgeblendet.

  • Canon: Farbcharakteristik etwas wärmer, Haut- und Fellfarben wirken sehr natürlich.

  • Sony: Sehr neutrale Farbwiedergabe, was mehr Flexibilität in der Postproduktion gibt.

Das Bokeh beider Objektive ist butterweich. Bei Gegenlichtaufnahmen gefiel mir das Canon-Bokeh minimal besser, da es noch weicher ausläuft.

Gewicht und Handling

Überraschend: Trotz minimaler Unterschiede in den technischen Daten fühlt sich das Canon 400mm in der Hand etwas leichter und ausgewogener an – besonders bei langen Sessions ohne Stativ. Sony wirkt minimal frontlastiger, was bei freihändigen Aufnahmen nach mehreren Stunden spürbar wird.

Performance unter Extrembedingungen

Hier kam der Namibia-Faktor ins Spiel:

  • Staubresistenz: Beide Objektive haben exzellente Abdichtungen, allerdings wirkte das Canon-Bajonett mit RF-Adapter-Kombi etwas anfälliger bei starkem Wind.

  • Hitze: Sony zeigte bei längeren Videoaufnahmen im prallen Sonnenlicht minimale Hitzewarnungen, während Canon konstant stabil lief.

Kannst du den Unterschied erkennen?

Das vielleicht Spannendste: Wenn ich die Bilder ohne EXIF-Daten zeigte, konnten selbst Profis kaum unterscheiden, welches Bild mit welchem System aufgenommen wurde. Das zeigt: Beide sind auf höchstem Niveau – die Entscheidung hängt am Ende von persönlichen Vorlieben, Systembindung und Einsatzgebiet ab.

Fazit – Welches System würde ich wählen?

Wenn ich rein auf Wildlife-Action gehe, tendiere ich leicht zu Sony wegen des blitzschnellen Autofokus und der exzellenten Performance bei schnellen Bewegungen. Für Video-Content, Portraits und Mixed-Use-Projekte finde ich das Canon 400mm f/2.8 minimal angenehmer – vor allem wegen der warmen Farbcharakteristik und dem smootheren Fokusverlauf.

Mein Tipp:

Wenn du schon in einem System investiert bist, gibt es keinen Grund zu wechseln – beide 400mm f/2.8 gehören zum Besten, was der Markt zu bieten hat.
Falls du neu einsteigst, überlege dir, ob dein Schwerpunkt eher auf Sport/Wildlife (Sony) oder Hybrid-Produktionen mit stärkerem Videofokus (Canon) liegt.

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Robin Maeter
August 14, 2025
5 min read